Save Shellac

Bewerbung für ein Praktikum als Astronaut – Motivationsschreiben

20. August 2010 – 17:26 von Frederik Wilhelmi

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich für ein Praktikum auf der Internationalen Space Station (ISS) in der Schulferien vom 24. Juli bis zum 5. September 2011 bewerben. Ich kann von mir behaupten, dass Astronaut zu werden bei mir eine Art Kindheitstraum ist. Schon als kleiner Junge deutete ich zu den Sternen und sagte “Arrööh”, was nach meiner und der Überzeugung meiner Eltern meinen festen Wunsch darstellte einmal diese hellen Punkte zu besuchen. Später verfestigte sich dieser Wunsch, als ich im Fernsehn die wunderschöne ARTE-Serie “Es war einmal der Weltraum” sah und die alten Perry Rhodan Hefte meines Vaters las. Wahrscheinlich werden Sie wenige Knaben im Altern zwischen 12 und 24 finden, die so viele Science Fiction Bücher und Filme rezipiert haben wie meine Wenigkeit. Ich kann daher mit einiger Sicherheit sagen, dass ich ein gewisses Vorwissen mit in das Praktikum bringen würde, dass ich bestimmt anwenden und erweitern könnte.
Auch in der Schule habe ich sehr bewusst nach dem Wissen gestrebt, dass es mir ermöglichen würde als Astronaut ein Imperium aufzubauen und feindliche Spezies zu unterjochen. Meistens durch das Lesen besagter Bücher und Hefte unter meinem Pult, aber auch dadurch dass ich aufmerksam den Geschichtsunterricht verfolgte, da ich schnell verstanden hatte, dass sich die meisten Vorkommnisse im All an der menschlichen Vergangenheit orientieren.
Leider gab es keine Möglichkeit tatsächliche interstellare Navigation zu lernen oder den Umgang mit Laserwaffen zu üben. Ein Versäumnis, dass Ihre Behörde beheben sollte, wenn Sie an einer fähigen Generation zukünftiger Weltraumkriegerrekruten interessiert sind. Wie Sie sehen scheue ich mich nicht die Dinge beim Namen zu nennen, wenn es mir dadurch gelingen kann die gemeinsame Sache voranzubringen. Ich bin sicher Sie wissen diese Art Ehrlichkeit auch (oder gerade) von einem Praktikanten mit frischen Ideen zu schätzen.
Im Sportunterricht versuchte ich stets meinen Körper auf die Anforderungen auf ein Leben ohne Schwerkraft vorzubereiten. Dadurch lässt sich auch meine eher blamable Leistung mit dem Kletterseil und dem Sprungpferd erklären, da dabei die eben vorhandene Schwerkraft gegen mich arbeitete. Ansonsten war mir klar, dass in der Schwerelosigkeit meine vorhanden Muskeln rapide abgebaut werden würden und ich versuchte daher erst gar keinen all zu großen Aufbau zuzulassen. Falls Sie aber, wie ich vermute, bereits über Laserschwerter verfügen, wird es Sie freuen zu hören, dass ich bereits über gewisse Kampferfahrung mit den Bäumen der Nachbarschaft verfüge.
Aber ich bin nicht nur eine Weltraum-Kampfmachine, sondern verstehe mich auch im Umgang mit fremden Kulturen. Von mir ist im Falle eines Zusammentreffen mit einer neuen und vielleicht sogar nicht- humanoiden Rassen keine panische oder übertrieben feindliche Reaktion zu erwarten. Durch Bücher und Filme bin ich auf jede potentielle Form und Farbe der Außerirdischen vorbereitet. Dazu kommt, dass ich in der unmittelbaren Näher einer Ausländersiedlung aufwuchs und daher den toleranten Umgang mit anderen Sitten gewohnt bin und auch so die Erde und die Menschheit nicht blamieren werde . Ja, ich kann mir sogar vorstellen mich in ein wunderschönes, weibliches Exemplar einer humanoiden, aber fremden Rasse zu verlieben. Dies würde mir nicht schwerfallen, da Erdenfrauen mich ohnehin eher zu meiden scheinen. Wahrscheinlich merken sie, dass ich nur für kurze Zeit an diesen Planeten gebunden seien werde.

In das Praktikum würde ich also nicht nur Begeisterung und frischen Wind bringen, sondern entspreche genau dem Anforderungsprofil eines kämpfenden, liebenden und forschenden “Space-Explorers”. Daher warte ich ungeduldigst auf Ihre hoffentlich positive Antwort:

Frederik Wilhelmi
Aldebaranstr. 19
472903 Rheidt
Germany (Terra)

Ein arbeitsreicher Vormittag (Tagesbuchauszug)

19. August 2010 – 15:33 von Dohm

Lieber Kader,

ich muss gestehen, dass ich hauptsächlich deswegen nicht mehr zum Artikelschreiben komme, weil ich in letzter Zeit viel mein analoges Tagebuch verwende. Aber heute will ich eine Ausnahme machen und präsentiere einen Eintrag in digitalisierter Vorzugsausgabe mit speziell für den Kader eingefügten Anmerkungen.

Guten Morgen, liebes Tagebuch, es ist 12 Uhr! Ich hoffe, Du konntest Dich ein wenig erholen, bist ja gestern arg bekritzelt worden. Ich für meinen Teil habe die dunkle Tageszeit weitgehend verschlafen. Das zerstört zwar meine Schlafrhythmuspläne, aber ich bin in diesen Dingen kein Dogmatiker. Es ist besser, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen und dann zu schlafen, wann es mir und meinem Körper passt.

Besteigung des Mont Ventoux. (Anmerkung für den Kader: gemeint ist das entsprechende Kapitel in J.-H. Fabres »Souvenirs entomologiques«) Besonders gut gefällt mir das Schnapsbarometer (Anm.: Die Alkoholsäule in der Flasche fällt überproportional zur erreichten Höhe). Aber auch die terrestrische Navigation mittels feuchter Unterhosen verdient Respekt (Anm.: Lest es selbst!). Als Nichtbotaniker leuchtet mir die Sache mit den Brennnesseln nicht recht ein.

Nachdem das Ganz viel zu schnell vorbei ist, überrasche ich mich selbst mit meiner eisernen Disziplin und rekapituliere meine Notizen zur Körperdecke der Insekten. Doch bald unterbreche ich, denn wer bei diesem schönen Wetter nicht auf Safari geht, hat ein Herz aus Stein und frisst auch kleine Kinder.

Auf meiner neuen Lieblingswiese werde ich von fröhlichem Gezirpe begrüßt; ich fürchte allerdings, die Freude gilt nicht mir, sondern etwaigen Sexbekanntschaften. Mir soll’s recht sein! Ich lausche ein wenig, um mich in der akustischen Heuschreckenbestimmung zu üben. Plötzlich dringt etwas Seltsames an mein Ohr, klingt in etwa wie das Knarren einer Ledersohle. Das muss ein kurioses Tier sein, soetwas habe ich noch nie gehört; also schleiche ich mich vorsichtig an die Stelle heran, an der diese Rarität vermute. Und mit einem Mal starren mich zwei Ziegen aus dem hohen Gras an. Nasowas! Das nenne ich mal ein echtes Abenteuer!  Zum Glück sind die Biester angebunden, ein Kampf auf Leben und Tod mit einem gleichstarken oder möglicherweise gar stärkeren Gegner wäre jetzt das Letzte, was ich gebrauchen könnte.

Wanzentechnisch hat die Welt schon schlechtere Tage gesehen; neben Coreus marginatus (Anm.: auch als Leder- oder Randwanze bekannt) taucht auch noch Eurygaster sp. (Anm.: Auf Wunsch kann später noch die genaue Artbezeichnung nachgeliefert werden) auf, die auch prompt eingesackt wird.

Ein absoluter Höhepunkt der Exkursion ist Entdeckung zweier fetten Tigerspinnen (klingt deutlich besser als Zebra- oder Wespenspinne. Der Fachmann nennt sie Argiope bruennichi). Schnell wird eine der vielen Kurzfühlschrecken gefangen und ins erste Netz geworfen. In Sekundenschnelle ist sie eingesponnen, bekommt einen Schlaf-gut-süßer-Prinz-Kuss verpasst und wird zum letzten Gebet sich selbst überlassen, während sich die Spinne wieder kopfüber in der Netzmitte platziert. Doch statt seinen Schöpfer – vor den die Schrecke zweifellos bald treten wird – um Vergebung für ihr sündiges Leben zu bitten, zappelt die Elende beharrlich mit den Beinen. Ein weiterer Biss, dann ist Ruhe im Kokon. (Anm.: Da das Tagebuch eigentlich nicht für die Veröffentlichung bestimmt ist, erfinde ich darin ziemlich ungezügelt debile Wortspiele. Verzeihung.) Aber bevor die Heuschrecke ausgesaugt wird, beschäftigt sich die Tigerspinne mit einer bereits angedauten Fliege, oder sowas in der Richtung; das kann man nicht mehr genau erkennen.

Die zweite Spinne bekommt kurz hintereinander zwei Kurzfühlerschrecken von mir, die in gleicher Weise wie oben beschrieben versorgt werden. Allerdings lässt sich diese Spinne von den Befreiungsversuchen ihrer Beute (die um ihr Leben hampelt, was das Zeug hält) nur wenig beeindrucken und sitzt – sich putzend – im Netz herum. Da geschieht das scheinbar Unglaubliche: eine der Heuschrecken sprengt teilweise ihre Fesseln und ist im Begriff, die Beine in die Hand zu nehmen. Schön gedacht, Geradflügler, aber die Spinne ist schon über Dir und beißt herzhaft in Dein zartes Insektenfleisch. Zur Strafe für Ungehorsam und Widerborstigkeit wird unmittelbar die Mahlzeit begonnen (so wirkt es jedenfalls). Da sieht man mal wieder: Die Natur ist viel grausamer als es je ein armes Menschlein, wie es so harmlos daherkommt, sein könnte.

Da es sich bezieht, mache ich mich auf den Rückweg. Für die Daheimgebliebene (Anm.: eine Vogelspinne) habe ich zwei von Roesels Beißschrecken (Metrioptera roeseli) im Gepäck: ein kurzflügeliges Männchen und ein ausgfranstes, langflügeliges Weibchen. Die kotzen mich genauso an wie die Kurzfühlerschrecken; das ist nur verständlich, schließlich will ich sie ja auch umbringen. Die »Hand« (Anm.: o.g. Vogelspinne) wird es mir danken.

Mit der Zubereitung einer Tiefkühlpizza, die laut Verpackung »wie aus der Trattoria« schmecken soll, endet offiziell der heutige Vormittag

Aus dem Fotoalbum

13. August 2010 – 17:14 von David Prochnow

Oma Kack gegen den Rest der Welt

Oma Kack nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss.

Im Tal der tausend Düfte

11. August 2010 – 01:06 von Dohm

kraftwerk

Von den kleinen Unannehmlichkeiten die das Hausarbeit-Schreiben mit sich bringt….

5. August 2010 – 14:12 von Frederik Wilhelmi

Es ist wieder soweit. Wir sitzen in unseren jeweiligen Bibliotheken und schreiben uns die Seele aus dem Leib. Es ist lästig aber jemand muss es ja machen.
Ich würde eine Top 10 der alltäglichen Grausamkeiten aufschreiben, aber ich bezweifele dass ich 10 zusammen bringe.

#1
Langsam folgt man den Signaturen auf dem Buchrücken und man gibt sich der Hoffnung hin ein Buch in bequemer Armhöher herausziehen zu können. Dann plötzlch folgt eine längerer Reihe (Ungefähr so: Nm 307, Nm 308, Nm309, Nm 309 a, Nm 309 b, Nm 309 c, Nm 309 d, Nm 309 e ……) die letzen Endes dazu führt, dass sich sich das zu erhaschende Buch auf dem untersten Regalbrett befindet. Natürlich ist das immer der Fall, wenn man den Arm grad ohnehin voller Bücher hat.

#2
Übermotivierte Bibliotheksangestellte entfernen meine Bücher über Nacht, besonders gerne die die ich mühselig aus anderen Institusbibliotheken ausgeliehen habe und so kommen wir zu

#3
Andere Institusbibliotheken und ihr Phantasievolles Regalsystem. Eine viertelstunde bestaunte ich die kafkaeske Sinnlosigkeit des Philosophie-Regals bis mir klar wurde, dass sich ihre Reihen nicht an den grenzen der einzelnen Regale brachen, sondern immer eine gesammte Regalreihe entlang liefen.

#4
Vor den benötigten Büchern steht ein Mensch und liest etwas. Stell ich mich dazu und schaue ihm nervenaufreibend über die Schulter (nur um festzustellen, dass sich mein Buch auf der anderne Seite befindet) oder warte ich höflich bis er fertigt ist (was je nach eigener Unauffälligkeit sehr lange dauern kann).

#5
Überdramatische Gegenübersitzende.

Die Quartalszahlen zum Zweiten

17. Juli 2010 – 11:08 von Cobernuss

Liebes Sommerloch,

mit leidiger Verspätung zwar, doch nicht weniger gravitär dargereicht, ist es an der Zeit zum zweiten Mal dieses Jahr der zum Bersten mit dem seitlich aufgebauten Buffet den Bauch gespannten Vollversammlung des Kaders die Quartalszahlen zu präsentieren.

Ich erlaube mir dabei, einige autoiudiziellen Kommentare vorzunehmen, ohne damit jedoch einer anschließenden Web 2.0 Befeuerung im Wege zu stehen.

Zunächst einmal fällt der leicht angestiegene Konsum gastro-inhalativer Genussmittel auf.

Dieser ist jedoch ganz augenscheinlich den erhöhten ökotrophologischen Anforderungen geschuldet, die sich sogleich mit nackten Zahlen anschließen.

Sportlich kommt endlich das Radfahren prominent zum Tragen. Auch wenn es sich mehr oder weniger auf eine Tour pro Woche reduzierte, kommt doch schon ein ansehnliches Sümmchen an vor allem im Vorgebirge und dem Ahrtal zurückgelegten Kilometern zusammen. Auch auf den Kalorienverbrauch hat dies selbstredend einen positiven Effekt. Hier konnten wir den Umsatz mehr als verdoppeln. Allerdings ist hierbei für den laufenden Bemessungszeitraum mit einem höchstens leichten Rückgang der Zuwachszahlen zu rechnen (diese kühne Ankündigung werde ich natürlich vor der nächsten Veröffentlichung mit entsprechenden Leerverkäufen decken; interessierte Anleger erfahren den Zeitpunkt qua Ad-hoc-Publikation bzgl. dieser director’s dealings natürlich aus dem Wirtschaftsteil der individuell favorisierten Tagespresse überregionaler Relevanz).

Da ist es natürlich fast schon selbstredend, dass der Laufsport ein wenig einstecken muss.

Zumal auch ein starker Zuwachs an ballsportlicher Aktivität zu verzeichnen war, die ja per se keinen sichtbaren Einschlag in diese Bilanz findet. Hinzu kommt noch der verstärkende Effekt, dass mich eine 150 minütige Fußballaktivität in den Rheinauen ehrlicher Weise für die nachfolgenden 4 Tage sportlich vollkommen außer Gefecht setzte. Damit ist nicht nur ein nicht positiver, sondern mittelbar gar ein negativer Effekt dieser Betätigung zu besorgen. Umso erfreuter sind wir, off-the-record, verkünden zu können, dass der Wanderpokal des Bonner Studentenwerks in einer Hitzeschlacht auf der Sportanlage Venusberg (nein, dass ich KEIN Filmtitel, auch wenn es einem bekannt vorkommt!) mit einer kurzfristig auf die beschonten Beine gestellten Task-Force durch einen einem nahezu spanisch vorkommenden Effizienzfußball akquiriert werden konnte.

Akademisch befinden wir uns weiterhin auf einem guten Kurs, auch wenn noch immer keine Volllast von 12 Klausuren pro Quartal erreicht werden konnte. Diesbezüglich werden wir den Kader auch für das bereits laufende Quartal in seinen Erwartungen leicht dämpfen müssen. Mir kleben die Klausurbögen am Unterarm fest und meine Tinte verträgt sich nicht mit den herabfallenden Absonderlichkeiten hidroser Natur auf meiner Stirn.

Die kulturellen Ausgleichsaktivitäten folgen selbstredend dem Anstieg der fachlichen Anforderungen, wobei auch saisonale Aspekte sicherlich eine Rolle gespielt haben werden, u.a. das Einsetzen der sich gerade dieser Tage auf dem Höhepunkt befindlichen universitären Konzertsaison.

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass die Quartalsdividende wegen der anhaltenden Ölkrise unter dem Golf von Ruben, meinem Nachbarn, leider nicht ausgeschüttet werden kann.

Danke für Ihre (noch!) unmitgeteilte Aufmerksamkeit.

Quartal 2010-II

Jubiläum

7. Juli 2010 – 10:52 von Frederik Wilhelmi

Kann es sein dass wir gerade unser Jubiläum verpassen. Ziemlich schreibfaule Phase ist das momentan. Kadertreffen demnächst? Muss Spanisch lernen. Ja, Ein Minipost hätte es auch getan.

Octocam

30. Juni 2010 – 15:43 von André Goerres

Für die Cephalopoden unter uns heute ein besonderes Schmakerl: die Octocam vom Hatfield Marine Science Center in Newport (USA).

Hoch die Tintenfische!

Leider funktioniert das Einbinden nicht, sonst könnte man auch hier die sich wunderbar räkelnden Oktopi bestaunen.

(via Nerdcore)

BlogKade in Öl

6. Juni 2010 – 11:53 von David Prochnow

Große Teile Kaderlands lassen sich inzwischen mit dem Ölteppich aus dem Golf von Mexiko bedecken.

Große Teile Kaderlands lassen sich inzwischen mit dem Ölteppich aus dem Golf von Mexiko bedecken.

Kaderland in groß…

De sapientia

28. Mai 2010 – 19:00 von Dohm

Am 14. September 1878 hielt der umstrittene Paläontologe Roy Edward Ledigon einen Vortrag an der Universität Yale über eine vorgeblich von ihm entdeckten Dinosauriergattung namens Stegoceras. Zwei Wochen nach seiner heftige Kontroversen auslösenden Rede, verschwand der Referent spurlos. Hier erscheint die Neuübersetzung des verschollen geglaubten Manuskripts in den Worten Timo B. Sandhases.

Anmerkung des Herausgebers: In jüngster Zeit haben sich Zweifel an der Authentizität der Übersetzung breit gemacht, da einige Tatsachen zur damaligen Zeit der wissenschaftlichen Fachwelt noch unbekannt waren; die augenscheinlichen Unstimmigkeiten und die unsaubere Verwendung bestimmter Begriffe können nur schwer mit gesicherten historischen Fakten in Vereinbarung werden. Sandhase verwies darauf, das Manuskript in einem Archiv gefunden, übersetzt und dann vernichtet zu haben. Seitdem hüllt er sich zu dem Thema in Schweigen.

De sapientia

Verehrtes Publikum,

bewegt man sich im Dunstkreis akademischer Betätigungsfelder, wird man früher oder später von der Metapher der Zwerge auf Schultern von Riesen heimgesucht, meist kurz nach der Veröffentlichung bahnbrechender Ergebnisse. Aber nimmt man dieses Sprüchlein für bare Münze und denkt konsequent zurück, so muss man sich ohne Zweifel die Frage stellen, ob wir uns nicht vielleicht nicht eher rittlinks auf einer Horde von Däumlingen, auf der Spitze eines Haufens verwachsener Gnome befinden. Und genügt nicht ein einziger Gigant, all diese zu überragen? Von Eisbergen, behauptet man, befänden sich über drei Viertel unter dem Meeresspiegel – doch warum sollte es sich mit Zwergen anders verhalten, wo doch diese wie jene zu großen Teilen aus dem geradezu lächerlichen einfach konstruierten Stoff Wasser, H2O, Dihydrogeniumoxid, bestehen?

Meine Vorrede mag Ihnen überheblich erscheinen. So sei es denn, es kümmert mich wenig. Denn zwar vermag die Bremse den Elefanten zu stechen, doch muss sie doch so lange Zeit vor dem Grauen Riesen ihr erbärmliches Leben den ewigen Jagdgründen anvertrauen; nicht selten wegen eines einzigen Schlages des Elefantenschwanzes.

stegocerasDoch nun will ich zu meinem eigentlichen Thema vorstoßen, der Biologie der Knochenköpfe. Pachycephalisauria. Diese von mir neu entdeckte Dinosauriergruppe beherbegt in erster Linie das Taxon Stegoceras. In einzigartiger Weise hat es diese Gattung geschafft, ihr Gehirn von sämtlichen äußeren Einflüssen zu schützen. Die Verwachsung des Parietale und des Frontale zu einer festen Kuppel von mit bis zu fast 10 Zoll Stärke, erlaubte diesen Vertretern, mit immenser Wucht aufeinander oder gegen Felswände zu prallen, ohne dass das nervöse Systen größeren Schaden nehmen musste. Freilich ist es bisher nicht völlig gesichert, ob diese Bewohner der cretacischen Gerbigsformationen Kommentkäpfe in solcher Form praktizierten. Möglicherweise diente der enorme Schädel auch dazu, flachstirnigere Zeitgenossen von vorneherein abzuschrecken. Man kann sich darüber streiten, wie die Tatsache zu interpretieren ist, dass gerade diese wenige Millionen Jahre später dumpf der Weltherrschaft entgegendämmerten. Jedenfalls kann als gesichertes Factum gelten, dass Stegoceras mit seinem Schädel außergewöhnliche Belastungen unbeschadet überstehen konnte. Und anhand seines Beispiels kann bewiesen werden, dass die Pseudowissenschaft Phrenologie von Schafsköpfen seiner Art betrieben wird.

Craniometry_skull_1902Meine Herren, ich darf um Ruhe bitten.Wenn Sie dem Vortrag nicht beiwohnen wollen, weil Ihnen seine Evidenz ängstigt, so tun Sie dies leise und ziehen sie sich in demütigster Reue zurück und schlagen Sie keinen Krawall. Danke. Das Gehirn des Stegoceras ist für die Größe seines Schädels geradezu winzig. So ist es offensichtlich paradox und aberwitzig, von der Form der äußeren Hülle auf geistige Kapazitäten zu schließen. Meine Wägungen von Gehirnkapselausgüssen haben mich erschreckend geringe Gesamtmassen ermitteln lassen, die jede größere intellektuelle Leistung ausschließen. Es ist logisch nachvollziehbar, das gerade dort wenig zerstört werden kann, wo wenig vorhanden ist. Andererseits muss gerade das Wenige geschützt werden, um es nicht ein Nichts werden zu lassen. Beide Annahmen finden wir in Stegoceras bestätigt: Durch Stegoceras wird die Phrenologie ad absurdum geführt. Strengen Sie stattdessen ein wenig ihr eigenes Gehirn an und folgen Sie mir auf das Gebiet der Äquipotentialtheorie. Mit ihr kehren wir zu Riesen und Zwergen zurück. Schöpfen Giganten mehr aus ihrem Geist, weil sie Gnome in Leibeslänge überragen? Nein, sie überflügeln Sie aufgrund ihres besonders großen Gehirns. Für den Fall, dass Sie mir nicht folgen können, will ich vereinfacht sagen: ein Käfer ist dümmer als eine Maus, eine Maus ist dümmer als ein Hund, ein Hund ist dümmer als ein Mensch, ein Kind ist dümmer als ein Erwachsener und ein Kleinwüchsiger ist dümmer als ein Hühne. Kurz: Kleine Menschen sind dumm, unabhängig von ihrer Schädelform.

QED.

Zum Ende des Vortrages möchte ich nocheinmal auf das Aussterben der Gattung Stegoceras zurückkommen. Ich habe allerhand Berechnungen angestellt, mit denen ich sie hier sicherlich nicht langweilen möchte. Stattdessen will ich ihnen von meinen Studien mit Steinböcken und wilden Ziegen in den italienischen Alpen berichten. Ganz ähnlich wie Stegoceras prallen sie in Kommentkämpfen mit ihren Schädeln gegeeinander und drängen sich ab, oft enden solche Auseinandersetzungen für einen Kontrahenten mit dem Sturz in die Schlucht. Nebenbei bemerkt sind weder Steinböcke noch wilde Ziegen für ihre übertriebene Intelligenz bekannt, sonst kämen sie schnell auf den Gedanken, nicht von vorne anzugreifen. Sondern von hinten, dort, wo keine Hörner, kein Schädel ihrem Gegner Schutz bietet. Der kleingeistige Dickschädel stirbt manchmal im offenen Kampf, ist durch Heimtücke jedoch immer zu besiegen.

Vielen Dank.

Édouard-Henri_Avril_1