Kack-Geschichten
10. Juni 2009 – 20:52 von Frederik Wilhelmi“50 € überweist mir meine Mutter im Monat. aber am Ende ist alles weg. Für Alkohol”, erklärte der circa 11 Jährige coole Junge, dem gleichaltrigen Mädchen, mit dem er ein wenig zu füsseln versuchte. Ich beschloss meine Kopfhörer noch wenig draußen zu lassen, um dem zu harren was da kommen möge. Das Mädchen erklärte, dass sie das voll dumm fände (ganzes Geld für Alkohol ausgeben), woraufhin der Junge meinte, er täte dass ja auch nur wegen den Tabletten, die er jetzt die ganze zeit nehmen würde. Dann wendete sich das Gespräch leider der ungefähren Anzahl der Schaffners (sic), dem Regen und der Frage ob Andi und Steffi was miteinander hätten.
Schade, dachte ich und, möchte euch statt mit Aktuellem, mit ein oder zwei zur heutigen Tagesaufgabe passenden Fäkal-Anekdoten beglücken. Vor der Heimfahrt nicht mehr kacken zu können, war für mich nämlich eine besondere Überwindung, da mir 4 Stunden Regionalbahn entgegenblickten. Doch auf einer Skala, die beschissenene Situationen misst, würde das heutige Ereignis nur einen unteren Platz einnehmen. Zwei, zumindest unwesentlich interessantere trugen sich in Kuba zu. Von der einen, meine ich schon öfters erzählt zu haben:
Es begab sich an einem Strand in der Nähe Havannas. Zu diesem Strand gelangte man mit Hilfe einer einstündigen Fahrt in einem veralteten Bus. Dieser wird, einer Landestradition folgend, ohne Rücksicht auf Verluste voll gestopft.
Um das mal zu illustrieren:In dem Moment wo jeder Busfahrer in Deutschland die Türen nicht mehr für neue Fahrgäste aufmachen würde, wird in Kuba noch mal die selbe Anzahl reingequetscht. Das ist kaum übertrieben: Man muss sich klarmachen, dass es zu den Serviceaufgaben des Fahrers gehörte, die Türen hinter seinen Fahrgästen zuzudrücken. Bei der hinteren Tür war das bei der Rückfahrt leider nicht möglich und die Fahrgäste dort, mussten sich besonders gut festhalten. Nicht dass das die Stimmung trüben würden. Von Sonne und Rum beflügelt befanden sich die Passagiere in einer Stimmung, die ich auch in Fanbussen und Armeetransportern auf der Rückfahrt nach erfolgreicher Schlacht vermute. Wir standen ungefähr in der Mitte und ich hatte furchtbaren Durchfall.
Am Morgen hatte ich vergessen die prophylaktischen Pillen einzunehmen und später vom einheimischen Wasser gekostet. Und so stand ich dort, wurde gedrückt und geschoben, bequatscht und beflirtet, eingeladen und befreundet. Niemand schien hingegen zu bemerken, welche Qualen ich litt. Was ich komisch fand, denn ich hatte den Eindruck, dass ich vor lauter Schließmuskelanspannung, schwitzte wie ein Schweinebraten. Auf der anderen Seite: Was sollte man daran auch schon groß ungewöhnlich finden. Den Kubanern sind schwitzende Westler wohl kaum fremd.
Schließlich informierte ich meinen Mitreisenden David, dass ich nicht mehr könne. Er sah mich fragend an und just in diesem Moment kam der Bus ruckartig an einer Haltestelle zum stehen. Sobald ich mein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, versuchte ich das Kubaner-Meer zu teilen. Kollege David unterstützte mich von hinten mit aufmunternden Worten. „Los Freddi!“. Dieser Ruf wurde begeistert von den 12-jährigen Mädchen aufgegriffen, die uns zuvor belabert hatten. „Fredddii“ kreischten sie, was David dazu veranlasste die Stimmung anzufeuern, in dem er den Ruf in Spanisch wiederholte. Das Rest des Busses war begeistert und stimmte ein (Venga! Freddi! Venga!) und so wurde ich auf einer Begeisterungswelle, wie sie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft damals wohl auch erlebt hatte aus der stickigen Kabine ins stickige Freie getragen. Dort drückte mir David seine Tempos in die Hand und unter zustimmenden Fenstergetrommel verschwand ich im Gebüsch. Gottseidank fuhr der Bus dann weiter und ich musste keinen Walk of Shame antreten.
Die andere Geschichte fand einige Wochen davor statt. Ich befand mich in einem Zug, der nach westlichen Maßstäben nicht fahrtüchtig war und der aus irgendeinem Grund trotzdem fuhr. Zusammengehalten wurde er von Farbe und Gebeten. Nach 3-stündiger ruckliger Fahrt verspürte ich etwas Druck und beschloss die Zugtoilette aufzusuchen. Die Tür war nur ein wackliges Brett und schwang von alleine auf, als ich sie schief ansah. In der Toilette selber nahm ich folgende Dinge war. Zunächst: Vorbeischießenden Eisenbahnschwellen auf grauen Steinen, wie sie wohl überall auf der Welt als Schienenunterlage genutzt werden. Dann das Loch, durch die ich die Schwellen vorbeischießen sah. Danach den Hintern des Kindes, der über diesem Loch hing und fröhlich hineinküttelte. Schließlich den fragenden Blick der alten Frau, die besagten Hintern über dem besagten Loch hielt, unter dem die Schwellen vorbeischossen. Verdattert starrte ich ein wenig zurück, murmelte eine Entschuldigung und ersparte mir die Frage, ob es kein Klopapier gebe. Dann beschloss ich zu warten, bis es eine unbewegte Toilette gebe. Als mir dann später eine solche von wohltätigen Fremden/Freunden (ein fließender Übergang in Kuba) angeboten wurde, wurde ich dort prompt von etwas gefährlichen gebissen oder gestochen und lag den ganzen Abend flach. Das wäre mir im Zug bestimmt nicht passiert.









